Lagen: 8.VI95 + (III+4)105. Zählung fehlerhaft: auf Bl. 60 folgt Bl. 60*. Bl. 96-98 und 105 Einzelblätter. Kustoden, ausgeschrieben (12v: primus sexternus, 24v: secundus sexternus etc., 95v: octavus sexternus). – Wasserzeichen: Einhorn, ganze Figur (2 Varianten), Typus Piccard, Fabeltiere, Abt. III, Nr. 1669-1697; Variante B (WZMA, AT8500-4597_275) z. B. auch in Wien, ÖNB, Cod. 4597, datiert 1418; ein Dreiberg-Wasserzeichen (72-83) ist durch Falzlage nicht beurteilbar.
Schriftart: Bastarda – Marginalien Bastarda mit Schleifen, der Duktus zuerst formalisiert, dann zunehmend kursiver, dennoch vermutlich nur ein Schreiber. Von diesem auch die (meisten) Randglossen.
Rote Überschriften und Explicitvermerk (bei Text 1), rot gestrichelte Satz- bzw. Versanfänge; bei den abgesetzten Versen z. T. durchgehende rote Linie. Kurze rote Wellenlinien als Zeilenfüller (3v-22v, 23v-24v). Bei Text 2 zweizeilige, ab 63v einzeilige, rote Lombarden; 56v (Textbeginn), blau. – In Text 1, zum Prosaprolog (1r) und zu Beginn des metrischen Texts (3r) zwei Fleuronnéelombarden von wenig sorgfältiger Hand. (1r) sechszeilig, rote Lombarde, braunes Fleuronnée; im Binnenfeld geschwungener Knospenast mit mehreren Seitenarmen, die Zwischenräume farbig gefüllt; als Besatz knospengefüllte Zwickeldreiecke bzw. kleinen Medaillons mit Trifolien; geschwungene Fadenfortsätze, an einer Stelle mit zwei Querstricheln. (3r) dreizeilig, blaue Lombarde, rotes Fleuronnée; Knospenreihen in den Binnenfeldern, Perlenbesatz, Eckspiralen; keine Fadenfortsätze. Fleuronnée von derselben Hand in Wien, ÖNB, Cod. 5386 (Salzburg, 1419), 1r.
Kunsthistorischer Kommentar: Trotz ihres niedrigen Qualitätsniveaus können die Fleuronnéelombarden in Cod. 3467 und Cod. 5386 derselben Hand zugewiesen werden: vgl. neben dem ähnlich dichten Gesamteindruck und der leicht gequetschten Knospenform vor allem charakteristische Einzelmotive wie die blattartig in die Länge gezogenen Köpfchen der breitesten Knospenpaare einer Knospengarbe (siehe in Cod. 5386 auch den Knospenbesatz rechts); die Besatzmedaillons mit den gepunkteten Kleeblättern oder die Perlenpyramiden, von denen links und rechts je zwei kurze feine Striche abstehen (Cod. 3467, 3r, links; Cod. 5386, 1r, rechts unten).
Anmerkung zur Textüberlieferung:
Die beiden Texte des Cod. 3467 sind noch in drei weiteren Handschriften gemeinsam überliefert: Nelahozeves, Lobkowiczká knihovna (ehem. Roudnice/Raudnitz), VI Fb 29; Prag, Knihovna pražské metropolitní kapituly (Bibliothek des Metropolitankapitels), Cod. M 121; Wien, ÖNB, Cod. 12531 (Mundhenk 1997, 95); es sind jedoch keine direkten Abhängigkeiten zwischen diesen Codices feststellbar (Mundhenk 1997, 94). Offenbar bestimmten die sprachliche Form (klassische Hexameter bei Nigel de Longo Campo, leoninische bei Nicolaus de Bibera) und die Textgattung (allgemeine Gesellschaftskritik in satirischer Form) die gemeinsame Überlieferung.
Das Speculum stultorum war weit verbreitet. Die Edition beschreibt eine spezifisch mitteleuropäische Texttradition (c-Gruppe; vgl. Mozley–Raymo 1960, 27), der Cod. 3467 sowie zwei weitere Handschriften der ÖNB, Cod. 3487 (Mitteleuropa, um 1415/20) und Cod. 4459, zuzuordnen sind.
Auch der Occultus Erfordensis wirkte über Thüringen hinaus (Mundhenk 1997, 89). Ein früher Überlieferungsträger stammt aus Würzburg (Hamburg, Staats- und Universitätsbibliothek, Cod. theol. 2038; vgl. Mundhenk 1997, 98), zumindest zwei der drei oben genannten Codices (Nelahozeves, VI Fb 29 und ÖNB, Cod. 12531) weisen in das Königreich Böhmen. Dass der Occultus schon im 15. Jahrhundert in Wien bekannt war, belegt insbesondere ein im Bistum Olmütz im 2. Jahrzehnt des 15. Jahrhunderts geschriebener Codex (Brno/Brünn, Moravská zemská knihovna, Mk 86, 137r-173r; vgl. Mundhenk 1997, 99 f.), der 1440 dem Georg Schrat, Pfarrer von St. Peter in Wien, gehörte. (Anzumerken ist auch, dass die Schenkung des Johannes Polzmacher an das Wien Schottenstift von 1453 ein "occultum" umfasst; siehe MBKÖ I, 441, Zeile 5, vgl. MBKÖ II, 118 und 112.) Cod. 3467 wiederum scheint in Salzburg entstanden zu sein. (Martin Roland, 2013)
Einband: Wien (Hofbibliothek) 19. bis 20. Jh. Neuzeitlicher Gebrauchseinband Halbband
Schwarzbraunes Marmorpapier über Pappdeckeln, Ecken und Rücken mit weißem Leder/Pergament überzogen. Auf dem Rücken weinrotes Schild mit Titel in Golddruck.
Vorbesitzer: Wien, Universitätsbibliothek, bis 1756
Martin Roland (Forschungsstand 2016, MeSch VI; Redaktion Katharina Hranitzky 2022)
Nigellus de Longo Campo: Speculum stultorum / Brunellus (ed. Mozley–Raymo 1960, 31-117, mit dieser Handschrift, hier Sigle u; Walther, Initia, Nr. 18944; siehe auch Arlima, zu Nigel of Canterbury, Abschn. 4, mit dieser Handschrit, hier Sigle V3). Endet mit Vers 2602.
(56v-105v)
Nicolaus de Bibera: Occultus Erfordensis (ed. Mundhenk 1997; Walther, Initia, Nr. 2493; jeweils mit dieser Handschrift). Ohne Accessus, mit Randglossen.